Not der Blütenbestäuber
Viele Blüten besuchende Insekten ernähren sich nicht nur vom Nektar, den die Blüten abgeben, sondern sie benötigen den Pollen als Eiweißnahrung. Alle Bienen, Honigbienen sowie Wildbienen decken ihren Eiweiß-Bedarf und auch den der Jungtiere zu 100% mit Blütenpollen. Wildpflanzen, die diese Versorgung leisten könnten, wurden aus der Kulturlandschaft in hohem Maße vor allem durch intensive Landwirtschaft verdrängt. Daher bilden in vielen Regionen Deutschlands landwirtschaftliche Kulturpflanzen wie Raps, Mais und Sonnenblume die Haupt-Pollenquelle für diese Insekten. Im Falle der Einführung von Agro-Gentechnik werden sich diese Insekten zu einem mehr oder weniger großen Anteil mit gentechnisch verändertem Pollen ernähren. Die Auswirkungen sind nicht absehbar. Belegt sind bisher:
Der Rückgang der Vielfalt von Insekten, auch von Bienen und Wildpflanzen. (Farm Scale Evaluation, 2004)
Ein horizontaler Gentransfer, sprich die Übertragung des aus der Gentechnik-Pflanze stammenden Gentechnik-Konstruktes in die Darmbakterien der Honigbienen (Studie Prof. Kaatz).
Die Schwächung des Immunsystems der Bienen und eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Krankheiten ( Studie von Prof. Kaatz). Da die Studienergebnisse umstritten waren, laufen derzeit neue Untersuchungen zum Thema an der Universität Würzburg.
Befürchtet wird auch eine direkte giftige Wirkung an Bienen durch das sogenannte Bt-Toxin, das in den Gentechnik-Pflanzen hergestellt wird, um bestimmte Schadinsekten zu töten.
Eine Schädigung der Bienen ist von großer ökologischer als auch ökonomischer Bedeutung. 80% aller Blütenpflanzen werden durch Bienen bestäubt. Ein Rückgang der Bienen hätte unmittelbar einen Rückgang der Wildpflanzen zur Folge, einen bedeutenden Ertragsrückgang bei landwirtschaftlich genutzten Kulturen durch die ausbleibende Bestäubung und dem Rückgang der Bienenerzeugnisse wie Honig, Wachs und Pollen.
Fleiß der Biene wird ihr Verhängnis
Als blütenstete Pollensammlerin, fliegt die Honigbiene immer zur gleichen Blütenart. Mit einem Flugradius von 3km und mehr kann sie auf einer Fläche von 30 bis 50 Quadratkilometern den Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen auf gentechnisch nicht veränderte Pflanzen übertragen. Sie sorgt also in hohem Umfang für die Auskreuzung und somit die Kontamination gentechnikfreier Flächen mit Agro-Gentechnik. Die Landwirte, die gentechnikfrei anbauen, müssen von der Honigbiene die Kontamination ihrer Ernte mit Agro-Gentechnik befürchten. Die Gentechnik-Landwirte müssen aufgrund der Auskreuzung durch die Honigbiene mit Schadensersatzforderungen rechnen. Wildbienen weisen einen wesentlich kleineren Flugradius auf und sind nicht blütenstet. So wird die Honigbiene nach Einführung der Agro-Gentechnik in der Landwirtschaft kritisch betrachtet oder gar unerwünscht sein. Für die ohnehin stark rückläufige Imkerei in Deutschland ist dies eine existentielle Bedrohung! Der von der Biene erzeugte Honig wird unmittelbar gentechnisch verunreinigt, wenn im Flugradius gentechnisch veränderte Bienenweidepflanzen (Raps oder Mais) angebaut werden. Die gentechnisch veränderten Bestandteile, befinden sich also noch lange bevor die Gentechnik-Pflanzen geerntet und weiterverarbeitet werden im Honig. Im Jahr 2005 kam es beim Imker Bablok zu einer nachgewiesenen Verunreinigung des Honigs von bis zu 4.4%, da die Bienen in der Nähe eines Gentechnik-Versuchsfeldes standen. Der Imker vernichtete den Honig.



