Argumente zur Agro-Gentechnik
Die immer wieder öffentlich vorgetragenen Gründe für den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft sind vor allem folgende:
- Reduzierung des Einsatz von Pflanzenschutzmittel
- Ermöglicht umweltschonendere Anbaumöglichkeiten
- Bringt höhere Gewinne für die Landwirte
- Steigert die Erträge
- Bekämpfung des Welthungers
Diese Argumente klingen selbstlos und vielversprechend. Näheres dazu finden Sie weiter unten. Zwei weitere Motive der Gentechnik-Konzene müssen hinzugefügt werden: - Sie ermöglicht die Patentierung landwirtschaftlicher Nutzpflanzen
- Sie sichert die weltweite Einnahme von Lizenzgebühren aus der Landwirtschaft durch die Saatgutkonzerne
Außer den beiden letzten Argumenten konnte die Agro-Gentechnik ihre Versprechen bisher in keinem Punkt einhalten.
Die Auswirkungen von Agro-Gentechnik lassen sich hervorragend in den Ländern studieren, in denen sie bereits seit mehreren Jahren und im großen Stil eingesetzt wird. Im folgenden werden vor allem Daten aus den USA verwendet.
1. Versprechen
Agro-Gentechnik reduziert den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
Nach einem kurzen Rückgang des Einsatzes von Pestiziden von 2 bis 3% in den Jahren 1996 bis 1998 stieg die Menge in den Folgejahren drastisch an und lag im Jahr 2003 um 11,5% höher als vor Einführung der Gentechnik – Tendenz weiter steigend. Einer der Gründe ist das Auftreten von sogenannten Superunkräutern, also von Pflanzen, die eine Resistenz gegen den Wirkstoff von Roundup entwickelt haben. Das können Kulturpflanzen oder aber verwandte Wildpflanzen sein, die durch Auskreuzung die Roundup-Resistenz übernommen haben. Die Folgen der erhöhten Wirkstoffmenge, die ausgebracht wird, sind hinlänglich bekannt: Rückgang der Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren, Grundwasserbelastungen mit Pflanzenschutzmitteln, Beeinträchtigung von Bodenmikroorganismen uvam.
2. Versprechen
Agro-Gentechnik ermöglicht umweltschonendere Anbaumöglichkeiten
Das Gegenteil ist der Fall: Die Agro-Gentechnik bringt neue, zum Teil nicht umkehrbare Risiken für die Umwelt!
Erhöhung des Pestizid-Einsatzes
Agro-Gentechnik führt zum einen zu einer Erhöhung des Einsatzes von Pestiziden, zum anderen bringt sie neue Pestizide mit sich. Zum dritten erzeugen die sogenannten Bt-Pflanzen in allen Pflanzenteilen einen Giftstoff, das Bt-Toxin. Alle diese Giftstoffe führen auch zu Schäden bei Nützlingen. Zudem beeinträchtigen diese Wirkstoffe das Bodenleben.
Resistenzentwicklung
Agro-Gentechnik führt zur Resistenzentwicklung bei Ackergräsern und –kräutern. Diese Pflanzen weisen eine Resistenz gegen Glyphosat, dem Wirkstoff von Roundup auf, sind also in der Kultur nicht mehr zu bekämpfen. Gegengesteuert wird zuerst mit einer höheren Menge an Pflanzenschutzmittel, dann folgen andere Pestizide, die dann oft in Kombinationen eingesetzt werden müssen.
Auch eine Resistenz der Schädlinge gegen das Bacillus-thuringiensis-Gift (Bt-Toxin) ist recht häufig. Biologisch ist diese Resistenz nahe liegend, da die Schädlinge permanent mit dem Wirkstoff in Berührung kommen, den die Pflanze laufend produziert.
Bedrohung der Vielfalt
Agro-Gentechnik bedroht die Sorten- und Artenvielfalt. Auf Flächen, auf denen gentechnisch veränderte Nutzpflanzen angebaut werden, wurden in einer britischen Studie signifikant weniger Insekten und weniger andere Pflanzen, insbesondere Blütenpflanzen festgestellt. In herbizidresistentem Raps waren es beispielsweise 24 weniger Schmetterlinge als auf konventionellen Vergleichsflächen, bei Gen-Zuckerrüben 34 und bei Gen-Raps sogar 44 %.
Gefahr der Auskreuzung
Das größte und ethisch mit nichts zu rechtfertigende Risiko der Agro-Gentechnik ist die unkontrollierbare Auskreuzung der Fremdgene auf Pflanzen der gleichen Art sowie auf verwandte Kultur- und Wildpflanzen. So kann jede gentechnisch veränderte Pflanze auf gentechnisch nicht veränderte Pflanzen der gleichen Art auskreuzen. Dies betrifft vor allem die Nutzpflanzen, weswegen die Vorstellung von Koexistenz von Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik illusorisch ist. Noch gravierender ist jedoch die Auskreuzung auf Wildpflanzen. So hat z.B. Raps eine ganze Reihe von wilden“ Verwandten, auf die gentechnisch veränderte Pflanzen über Pollenflug und Bestäubung auskreuzen können. Beispiele für diese Verwandten sind: ausgewilderter Raps, Rübsen, Ackersenf, Sareptasenf, schwarzer und grauer Senf, Hederich, Kohlarten. Diese Auskreuzung hat zur Folge, dass Gentechnik nie wieder rückholbar ist. Einmal in die Natur entlassen kann sie nie wieder aus ihr entfernt werden. Ander als in der Atomenergie, bei der man zumindest mit Halbwertszeiten der Radioaktivität rechnen kann, verselbständigt sich die Agro-Gentechnik in der freien Natur und potenziert sich im Laufe der Zeit.
Einmal Gentechnik – immer Gentechnik!
3. und 4. Versprechen
Agro-Gentechnik bringt höhere Gewinne für die Landwirte und
Agro-Gentechnik steigert die Erträge
Auch hier lehrt die Praxis das Gegenteil. Im besten Fall bleiben die Erträge gleich (Mais). In den meisten Fällen jedoch bringen gentechnisch veränderte Pflanzen Mindererträge im Vergleich zu herkömmlichen Sorten. Bei Gen-Zuckerrüben und Gen-Raps sind dies 5-8 Minderertrag bei Gen-Soja 6-10 . Die größten Ausfälle gab es bei Bt-Baumwolle in Indien: hier führte der Einsatz von Gentechnik-Baumwolle zu Ertragsminderungen um bis zu 75 % und starke Qualitätsminderungen. Die Folgen waren hier besonders dramatisch, da die Kosten für das teurere GT-Saatgut sowie die Ertragsausfälle unzählige Kleinbauern in den Ruin trieb, der eine wahre Selbstmordwelle bei indischen Kleinbauern auslöste.
Die Agro-Gentechnik birgt aber noch weitere ökonomische Risiken:
Patentgeschütztes Gen-Saatgut ist deutlich teurer als herkömmliches Saatgut (z.B. Gt-Baumwollsaatgut 4-facher Preis)
Ein Nachbau der eigenen Ernte ist nicht mehr möglich, bei jedem Anbau fallen in vollem Umfang Lizenzgebühren an.
Um gentechnisch veränderte und weitgehend gentechnik-freie Produkte zu trennen, ist ein hoher Aufwand im Bereich Probenahme, Kontrolle und Analyse zu erbringen, der enorme Zusatzkosten verursacht.
Gentechnikfreier Anbau und Ökolandbau ist dabei in der bisherigen Form beim Einsatz von Agro-Gentechnik grundsätzlich nicht mehr möglich. Grund dafür ist die Auskreuzung besonders in kleinräumiger Agrarstruktur, wie es in Deutschland überwiegend der Fall ist. Zudem besteht die akute Gefahr der Vermischung im landwirtschaftlichen Betrieb, beim überbetrieblichen Maschineneinsatz (ein Mähdrescher kann nie komplett gereinigt werden!), in der Erfassung, im Handel und in der Weiterverarbeitung. Mittelfristig wird es beim Einsatz von Agro-Gentechnik nur noch mehr oder weniger stark veränderte Lebensmittel geben. Gentechnik-Freiheit ist dann unmöglich, auch bei ökologisch erzeugten Lebensmitteln!
5. Versprechen
Agro-Gentechnik bekämpft den Welthunger
Dieses Versprechen ist in jeder Hinsicht hinfällig:
Der Welthunger ist keine Folge einer zu geringen Produktion von Nahrungsmitteln, sondern ist eine Folge von ungerechter Verteilung. 70% der deutschen Getreideproduktion landet im Futtertrog – mit einer Futterverwertung von weniger als 20%! Die aktuellen Pläne für die Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffe benötigen ca. die Hälfte der bundesweiten Ackerfläche – Fläche, die der Nahrungsmittelproduktion entzogen wird, um den Energiehunger der Industrienationen zu decken. Getreide und Kartoffeln werden verheizt, vergast oder in Treibstoff verwandelt, statt als Nahrung zur Verfügung zu stehen. Ein großer Teil der landwirtschaftlichen Produktion in Südamerika wird an europäische Rinder verfüttert – in Form von Soja – oft gentechnisch verändert!
Wenn die landwirtschaftlichen Flächen zur Nahrungsmittelproduktion genutzt würden und die Nahrungsmittel gerecht verteilt würden, wäre es leicht möglich, alle Menschen dieser Erde ausreichend mit ökologisch erzeugten Lebensmitteln zu versorgen. Allein: Es fehlt der Wille!
Dazu ein Zitat von Margot Walström, ehemalige EU-Kommissarin: Die einzige Form von Hunger, den die Konzerne stillen, ist nicht der Hunger in der Dritten Welt, sondern der Hunger der Aktionäre.“
6. und 7. Versprechen
Agro-Gentechnik ermöglicht die Patentierung landwirtschaftlicher Nutzpflanzen.
Agro-Gentechnik sichert die weltweite Einnahme von Lizenzgebühren aus der Landwirtschaft durch die Saatgutkonzerne.
Diese beiden Versprechen haben tatsächlich Bestand und zeigen die wahren Motive für die Einführung der Agro-Gentechnik. Monsanto hat im Jahr 1999 sein Firmenziel formuliert:
Innerhalb von 15 bis 20 Jahren soll weltweit sämtliches Saatgut gentechnisch verändert sein.“
Es war keine Rede davon, dass bis 2020 der Welthunger abgeschafft sein soll, dass weniger Pestizide eingesetzt werden sollen, dass die Umwelt geschont werden soll oder dass die Landwirte mehr Geld verdienen sollen. Das Ziel heißt ganz lapidar: Ab 2015 oder 2020 soll für jedes Saatkorn, das irgendein Landwirt an irgendeinem Ort auf dieser Welt in die Erde legt, Lizenzgebühr bezahlt werden. Und gleichzeitig sollen diese Bauern auch das zugehörige Pestizid kaufen. So lässt sich auch erklären, warum ausgerechnet die Chemie-Konzerne so großes Interesse an der Agro-Gentechnik entwickeln und sie die Einführung der Agro-Gentechnik in der EU mit aller Macht erzwingen wollen.



