Bienen & Agro-Gentechnik
Bienen & Agro-Gentechnik

Risiken der Agro-Gentechnik sind Realität

Die Agro-Gentechnik birgt eine Vielzahl von Risiken. Einige davon wurden oben bereits aufgeführt. Zum Teil sind diese Risiken in den Ländern, in denen Agro-Gentechnik bereits eingesetzt wird, bereits Realität, weitere Gefahren müssen befürchtet werden oder können zumindest nicht ausgeschlossen werden. Dass die Risiken tatsächlich in keiner Weise abschätzbar sind, zeigt der Inhalt eines Schreibens des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vom Juli 2004:

„Bei diesem Risiko ist das Ausmaß der Schäden schwer einzugrenzen und versicherungstechnisch nicht kalkulierbar. Aus diesem Grund ist die Versicherung von Gentechnikrisiken leider nicht möglich.“

Damit ist die Gentechnik neben der Atomkraft und dem Mobilfunk die dritte Risikotechnologie, die definitiv nicht versicherbar ist.


Ökologische Risiken

Das Risiko, das ökologisch am bedrohlichsten ist, ist die Auskreuzung gentechnisch veränderter Pflanzen. Gentechnisch veränderte Kulturpflanzen können sich sowohl auf gleiche wie auch auf verwandte Pflanzen mittels Pollenflug auskreuzen. Ob der Pollen vom Wind oder von Insekten übertragen wird, spielt dabei keine Rolle. Z.B. hat der Raps auch in Deutschland eine ganze Reihe von verwandten Kultur- und Wildpflanzen, auf die er auskreuzen kann (Kultursenf, Ackersenf, schwarzer und grauer Senf, Sareptasenf, Kohlarten, Rübsen, Hederich, Kohlarten…) Wenn sich gentechnisch veränderte Pflanzen einmal auf andere Pflanzen ausgekreuzt haben, ist dies nie wieder rückholbar. Dies gilt sogar für Kulturpflanzen, wie das Beispiel der Genmais-Sorte Starlink in den USA zeigt. Als erkannt wurde, dass dieser Starlink-Mais Allergien bei Menschen verursacht, wurde mit großem finanziellen Aufwand versucht, diesen Mais wieder aus der Produktion zu entfernen. Dies ist bis heute nicht vollständig gelungen.
Auskreuzungen auf Wildpflanzen entziehen sich jeder Kontrolle und sind nie wieder rückholbar. Gleichzeitig verdrängen gentechnisch veränderte Pflanzen langfristig die ursprünglichen Arten durch genetische Vermischung.

Teufelskreislauf: Herbizid – Unkrautresistenz – mehr Herbizide
Der Einsatz von gentechnisch veränderten herbizid-resistenten Pflanzen führt zur Ausbildung von Unkrautresistenzen und als Folge zu einem stark erhöhten Einsatz von Herbiziden. Den Gentechnik-Pflanzen wurde eine Resistenz gegen ein bestimmtes Unkrautvernichtungsmittel eingebaut, womit sie unempfindlich gegenüber einem bestimmten Wirkstoff sind. In den USA liegen weltweit die größten Anbauflächen von Gentechnik-Pflanzen. Daten aus dem US-amerikanischen Landwirtschaftsministerium verzeichnen zwar einen Rückgang von Herbiziden in den ersten drei Jahren von 1996 bis 1998, doch der Anstieg in den Folgejahren ist drastisch. 2008 wurden nahezu doppelt so viel Herbizide ausgebracht wie in den Jahren vor dem Anbau von Gentechnik-Pflanzen. Der Grund liegt in der Ausbildung von resistenten Unkräutern. Pflanzen, die nur noch vermindert auf das eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel reagieren. Superunkräuter lassen sich gar nicht mehr mit dem Herbizid bekämpfen. Die ungewollte Ausbildung von Resistenzen kann bei Unkräutern aber auch bei Kulturpflanzen oder verwandten Wildpflanzen erfolgen. Die Pflanzen übernehmen durch Auskreuzung die Herbizid-Resistenz. Derzeit gibt es herbizid-resistente Gentechnik-Pflanzen gegen die Wirkstoffe Glyphosat (RoundupReady-Pflanzen) und Glufosinat (Liberty-Link-Pflanzen). Tauchen Unkrautresistenzen auf wird mit mehr Spritzungen oder dem Einsatz von anderen Wirkstoffen entgegengewirkt. Dazu gehören veraltete Mittel wie Dicamba und 2,4-D. 2.4 D ist ein Bestandteil von Agent Orange, einem Entlaubungsmittel, das beim Einsatz im Vietnam-Krieg zu verheerenden Gesundheitsschäden am Menschen geführt hatte. Auch mehrfachresistente Pflanzen mit verschiedenen gentechnischen Veränderungen (stacked events) werden von den Gentechnik-Firmen entwickelt, um die Resistenzen einzudämmen.
(Quelle: Studie von Charles Benbrook, November 2009).

Unkalkulierbare Insektizidmengen und Insektenresistenz
Der Einsatz von gentechnisch veränderten insekten-resistenten Pflanzen führt zur Ausbringung unkalkulierbarer Mengen von Insektiziden in die Umwelt. Dies führt wiederum zur Ausbildung von Insektenresistenzen. Auch das Auftreten von sogenannten Sekundärschädlingen wird immer häufiger. Das sind Schädlinge, die wegen des Fehlens von anderen Gegenspielern an Bedeutung gewinnen können. Insektenresistente Bt-Pflanzen stellen ein Gift des Bodenbakteriums Bacillus-thuringiensis (Bt) in all ihren Pflanzenteilen her. Wieviel Gift wann in welchem Pflanzenteil produziert wird, ist nicht vorhersehbar. Die Menge des produzierten Bt-Giftes ist bei Blättern, Stängeln oder Wurzeln völlig unterschiedlich. Da Insekten ständig mit dem Wirkstoff in Berührung kommen, liegt eine Resistenzbildung biologisch nahe und ist vielerorts eingetreten. Die Ausbringung von mehr Insektiziden ist die Folge. Nützliche Insekten sowie Bodenorganismen sind dem Gift ebenso ausgesetzt. Noch sind die Studien zum Anbau von Bt-Pflanzen rar und oft nicht aussagekräftig.
(Quelle: Bt-Mais wirkt auch am Ziel vorbei, Marta Mertens, 2006)

Verringerung der Vielfalt
Der Einsatz von Agro-Gentechnik führt zu einem deutlichen Rückgang von Sorten und Arten in Flora und Fauna. In der britischen FSE-Studie (Farm Scale Evaluation) aus dem Jahr 2004 wurde festgestellt, dass sich an den Feldrändern der Flächen mit gentechnisch veränderten Pflanzen deutlich weniger Ackerkräuter befanden, bei Gentechnik-Raps-Feldern waren am Rand bis zu 44% weniger Blütenpflanzen. Die Insektenfauna war ebenfalls betroffen. Es gab deutlich weniger Schmetterlinge und Bienen in den Gentechnik-Feldern. Auch ein Rückgang von Wanzen und Spinnen wurde verzeichnet. Die Wissenschaftler schreiben die Verringerung der Insektenvielfalt sowohl dem Pflanzenschutzmittel selbst zu als auch dem Rückgang der Ackerwildkräuter als Lebensraum. Es wird auch diskutiert, ob die Gentechnik-Pflanze selbst eine weniger attraktive Pflanze für Insekten ist.
(Quelle: Farm Scale Evaluation, 2004)

Gefahr der Auskreuzung – Koexistenz nicht möglich
Das größte Problem der Agro-Gentechnik stellt die unkontrollierbare Auskreuzung der Fremdgene auf Pflanzen der gleichen Art sowie auf verwandte Kultur- und Wildpflanzen dar. Jede gentechnisch veränderte Pflanze kann auf gentechnisch nicht veränderte Pflanzen auskreuzen. Dies betrifft vor allem Nutzpflanzen. Die Vorstellung der Koexistenz, einem Nebeneinander von Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik ist illusorisch. Noch gravierender ist die Auskreuzung auf Wildpflanzen. Raps hat beispielsweise eine ganze Reihe von „wilden“ Verwandten, auf die gentechnisch veränderte Pflanzen über Pollenflug und Bestäubung auskreuzen können. Beispiele für diese Verwandten sind: ausgewilderter Raps, Rübsen, Ackersenf, Sareptasenf, schwarzer und grauer Senf, Hederich, Kohlarten. Diese Auskreuzung hat zur Folge, dass Gentechnik nie wieder rückholbar ist. Einmal in die Natur entlassen kann sie nie wieder aus ihr entfernt werden.
Einmal Gentechnik – immer Gentechnik!
(Quelle: Auskreuzungsraten, Informationsdienst Gentechnik, 2008)


Sozioökonomische Risiken

Mehrerträge und höheren Gewinne durch die Agro-Gentechnik entlarven sich als leere Versprechen. Vielmehr schaffen Lizenzgebühren für Gentechnik-Pflanzen eine neue Form der Abhängigkeit der Landwirtschaft. Grundlage der Landwirtschaft war Jahrtausende lang die Aussaat eines Teils der Ernte des Vorjahres. Gentechnik zwingt nun die Landwirte, jährlich neues Saatgut bei den Saatgutfirmen zu kaufen und dafür Lizenzgebühren zu entrichten. Durch die intensive Landwirtschaft und wegen der Auskreuzung verschwinden langfristig immer mehr traditionellen Sorten. Aber auch der aggressive Aufkauf kleinerer Saatgutfirmen führ auf Dauer dazu, dass nur wenige, gentechnisch veränderte Sorten übrig bleiben.

Mehrkosten für Landwirte und Bürger
Patentgeschütztes Gentechnik-Saatgut ist deutlich teurer als herkömmliches Saatgut (z.B. Bt-Baumwollsaatgut 4-facher Preis).
 Ein Nachbau der eigenen Ernte ist nicht mehr möglich und bei jedem Anbau fallen in vollem Umfang Lizenzgebühren an.
 Um gentechnisch veränderte und weitgehend gentechnikfreie Produkte zu trennen, ist ein hoher Aufwand im Bereich der Probenahme, Kontrolle und Analyse zu erbringen. Dies verursacht enorme Zusatzkosten für gentechnikfrei wirtschaftende Landwirte. Auch der Steuerzahler wird durch die entstehenden Verunreinigungen finanziell belastet.
(Quelle: The socio-economic effects of GMOs, Studie von Friends of the Earth, 2010 )

Mindererträge und Ernteausfälle
Die hohen Kosten für den Landwirt für das vielfach teurere Gentechnik-Saatgut und die dazugehörigen Pestizide können keinesfalls mit höheren Erträgen gegengerechnet werden. Ganz im Gegenteil. Agro-Gentechnik steigert die Erträge nicht, im besten Fall bleiben sie wie bei Mais gleich. In den meisten Fällen jedoch bringen gentechnisch veränderte Pflanzen Mindererträge im Vergleich zu herkömmlichen Sorten. Bei Gentechnik-Zuckerrüben und Gentechnik-Raps sind 5-8% Minderertrag bei Gentechnik-Soja 6-10% errechnet worden. Die größten Ausfälle gab es bei Bt-Baumwolle in Indien: hier führte der Einsatz von Gentechnik-Baumwolle zu starken Qualitätsminderungen und Ertragseinbußen von bis zu 75 %. Die Folgen waren hier besonders dramatisch, da die Kosten für das teurere Gentechnik-Saatgut sowie die Ertragsausfälle unzählige Kleinbauern in den Ruin trieb und eine wahre Selbstmordwelle bei indischen Kleinbauern auslöste.
(Quellen: Dr. Charles M. Benbrook, 2001; BÖLW Schadensbericht, 2009)

Wahlfreiheit nicht mehr gegeben
Gentechnikfreier Anbau und Ökolandbau ist beim Einsatz von Agro-Gentechnik in der Nachbarschaft nicht mehr möglich. Auskreuzungen, bedingt durch die überwiegend kleinräumige Agrarstruktur in Deutschland, können nicht ausgeschlossen werden. Zusätzlich besteht die akute Gefahr der Vermischung im landwirtschaftlichen Betrieb, beim überbetrieblichen Maschineneinsatz (ein Mähdrescher kann nie komplett gereinigt werden!), in der Weiterverarbeitung und im Handel. Mittelfristig wird es beim Einsatz von Agro-Gentechnik nur noch mehr oder weniger stark veränderte Lebensmittel geben. Gentechnik-Freiheit ist dann unmöglich, auch bei ökologisch erzeugten Lebensmitteln!
(Quelle: Kosten Dossier, Informationsdienst Gentechnik, 2011)

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